Smith, Keri: "Mach dieses Buch fertig"


Gegen die Etikette

"Mach dieses Buch fertig" deutet im Titel schon an, was es tatsächlich auch ist, nämlich ein Buch mit Selbstbezug, das zu seiner eigenen Zerstörung aufruft. Am Ende ist es damit auch eher ein Kunst­projekt als ein tatsächliches Buch, aber eines, das offensichtlich vielen Menschen Freude bereitet.

Zerstörungswut

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Für die Einen sind Bücher ein Unter­haltungs­mittel und Konsum­produkt wie viele andere Produkte auch, für Andere sind sie dagegen ein Kulturgut, das mit entsprech­ender Achtung und Pflege behandelt werden möchte. Den Ersteren macht es darum nicht viel aus, wenn ein Buch beim bestimmungs­gemäßen Gebrauch auch mal Kratzer und Eselsohren bekommt, für die anderen hingegen ist der sorgsame Umgang auch mit einem Groschen­roman ein Gebot der Achtung und Fairness mit einem Buch.

Doch "Mach dieses Buch fertig" erhebt den Umgang mit dem Buch selbst zu einer eigenen Kultur. Und der Umgang, den das Buch auf seinen immer wieder neuen Seiten einfordert, ist selbstzerstörerisch. Es will durchnässt, getreten, zerrissen und geknickt werden, bis es am Ende durch diese unzähligen Traktierungen ein individuelles und einzigartig misshandeltes Exemplar ist, mit dem sich sein Besitzer wirklich beschäftigt und im Wortsinn auseinandergesetzt hat. Daher ist "Mach dieses Buch fertig" tatsächlich ein sehr originelles und einzigartiges Buch, das als Geschenk in jedem Fall Aufsehen erregen wird.

Wem dieses Konzept dabei zu abgehoben und zu wenig nachvollziehbar erscheint, sollte sich die Zeit nehmen, die entsprechenden Kundenbewertungen zu lesen, die in großer Zahl und fast einhellig den Umgang mit dem Buch als ein sehr unterhaltsames und zum Teil befreiendes Erlebnis darstellen. Vorsicht sollte man eventuell lediglich walten lassen bei wirklich ausgemachten Bücherliebhabern, die ihre Bücher stets mit Samthandschuhen anfassen. Bei ihnen wird das Buch dann nicht nur für den Beschenkten zu einem spannenden Experiment, sondern zugleich auch für den Beschenkten: Lässt sich der pedantische Bücherliebhaber wirklich auf dieses auf den ersten Blick schmerzhafte Experiment ein - falls ja wird für ihn die Erfahrung noch viel größer und eindrucksvoller sein als für alle anderen. Denn alles in allem scheint das Buch nicht nur in der Theorie, sondern tatsächlich auch in der praktischen Nutzung zu halten, was es verspricht. Und außerdem kann man mit diesem Buchgeschenk eigentlich auch nicht allzuviel falsch machen, da es kein Thema verfehlen kann oder inhaltlich unangemessen sein. Und damit kann man das Buch meistens problemlos verschenken, ohne sich fragen zu müssen, was der Beschenkte gerne liest, sondern vielleicht allenfalls, wie er liest.

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